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Bahnhofsplatz am Donnerstagabend

Wo sind sie geblieben? Was ist geschehn?

Wo sind sie geblieben? Was ist geschehn? Stell dir vor, es ist Donnerstagabend vor dem St. Galler OpenAir und der Hauptbahnhof ist leer. Keine Gepäckstücke und Bierkisten, über die du stolperst, keine ausgerollten Schlafsäcke mit schlafenden Jugendlichen. Vereinzelt treffen sich ein paar junge Leute, um gemeinsam den VBSG-Bus zu besteigen. Die Gepäckstücke, die Bierkisten und die Schlafsäcke auf den Rücken geschnallt oder in den Händen tragend. Was ist geschehen?

Von Trix Müller / Foto: Stefan Schälle

Das untrügliche Zeichen, dass am Freitagmorgen das OpenAir 2006 in St. Gallen seine Pforten öffnet, finde ich nur zaghaft. Der Bahnhofsplatz ist nicht wie in den letzten Jahren verstopft mit friedlichen Festivalanhängern, sondern leer gefegt, wie an einem frühen, heiligen Sonntagmorgen.

Ok, nicht ganz. Die Supermärkte werden zwar nicht gestürmt, aber der Abendverkauf gut genutzt für die Beschaffung der Esswaren und des Biervorrates. Zahlreiche "Wägeli" sind im Einsatz für die grossen Transporte, auch ausserhalb des zuständigen Bereiches. Bei der Haupttreppe begegnen mir fröhliche Gesichter. Alle ankommenden OpenAir-BesucherInnen freuen sich auf die nächsten drei unbeschwerten Tage. Was mich allerdings irritiert, ist die Tatsache, dass viele auf direktem Weg vom Zug in den Bus Richtung Festivalgelände steigen. Keine Party also auf dem Bahnhofsplatz...?

Mir kommt spontan das neue Wegweisungsgesetz in den Sinn. Es scheint mir aber, als ob hier ein Kanalisieren der ankommenden Festivalbesucher stattfindet – und zwar zu Gunsten eines sterilen Bahnhofsplatzes und somit zur Wahrung eines einwandfreien Stadtbildes. Denn für viele Stadtbewohner ist auch das hippige OpenAir-Völkchen während der drei Festival-Tagen ein Dorn im Auge.

Die Veranstalter propagierten ihren Service für die 3000 Earlybirds ohne langes Anstehen und grosses Gedränge. Nach der Premiere 2005 konnten die Inhaber von Earlybird-Tickets dieses Jahr wieder die Abfahrtszeit des Busses bereits bei der Ticketbestellung auswählen. Abfahrtsort, Busnummer und Abfahrtszeit wurden nach der Bestellung schriftlich bestätigt – jeder weiss somit genau, wann er am Bahnhof respektive im Breitfeld eintreffen muss. Somit wird die ganze Angelegenheit gestaffelt und erfolgt nicht mehr konzentriert am Vorabend des OpenAir`s.

Manchen Festivalbesuchern kommt dieses neue System entgegen. St. Gallen verliert jedoch zweifellos einen bunten Abend am Bahnhofsplatz, einen Abend, der jedes Jahr zeigte, dass die Stadt durch junge Leute lebt...

Übrigens fand ich doch noch vereinzelt Schlafsackbenutzer am Bahnhof, die es verstanden, am Donnerstagabend Party zu machen.
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Erscheint immer mal wieder.
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