Boysetsfire
Von Todfeinden und Klangstrukturen
Von Sara Burkhard / Foto: Stefan Schälle
Was für den durchschnittlichen OpenAir-Besucher der Montagmorgen, ist für Boysetsfire mittags um zwölf bei Sonnenbestrahlung von 28 Grad ein Auftritt auf der Hauptbühne des OpenAirs St. Gallen, nämlich die natürlichen Todfeinde. "Als mir unser Tourmanager gesagt hat, dass wir schon um 12.15 Uhr spielen werden, dachte ich zuerst, der will mich doch nur ärgern", meint Bassist Robert Ehrenbrand später. "Ich bin sozusagen direkt aus dem Bett auf die Bühne gestolpert", gibt er lachend zu.Die fünf Jungs aus Newark, Delaware, machten aber alles andere als einen verschlafenen Eindruck. Vom ersten Ton bis zum letzten "Thank you" hat alles gepasst. Eingefleischte Fans hatten im Vorfeld ja befürchtet, dass Boysetsfire passiere, was schon Danko Jones 2004 oder Mando Diao bei ihrem Auftritt 2005 widerfahren ist – dass sie als relativ kleine Klubband, die auf keine grosse Massenfangemeinde zurückgreifen kann, ein Opfer der grossen Bühne werden und hoffnungslos verloren wirken. Aber spätestens als Drummer Matt zum Song "Requiem" vom neuen Album "The Misery Index; Notes From The Plague Years" einzählte, war klar, dass man sich hier um niemanden sorgen musste.
"Bathory’s sainthood", "Release the dogs", "My life in the knife trade" - Boysetsfire hatten alle grossen Songs mit im Gepäck, um ihre Fans glücklich zu machen. Aber nicht nur die Fans waren augenscheinlich glücklich, auch die Band war sehr zufrieden. "We won`t do any 'Do you rock?! Show me your hands!'-shit, we`re just not like that. But we really appreciate that you guys have come out to watch our show", meinte Sänger Nathan Grey mit dem ehrlichen Brustton der Überzeugung. "Festivals sind ja immer so eine Sache", gibt Robert zu bedenken, "aber das heute war auch für uns eine wirklich tolle Show".
Das fanden die zahlreich vor der Hauptbühne erschienenen Zuhörer allerdings auch. Die gesamte Band und vor allem Nathan spielten ein druckvolles Set, Boxentürme wurden erklettert und eine ausgewogene Mischung aus schönen Songlines und emotionalem Gesang wurde dargeboten, wobei die extrem variationsreiche Stimme von Grey wieder einmal über allem stand. Nichts ist zu schwer – von Geschrei ein gleitender Übergang zu Gesang, kein Problem für Nathan. Ein kleiner Leckerbissen waren natürlich auch die Samples, die Boysetsfire in die Songs einbauten. Und das alles war klangtechnisch absolut überragend vom hauseigenen Boysetsfire-Soundtechniker abgemischt.
Und so wurde man nach einem langen, eindrücklichen Set, wenn auch ohne Zugabe, so aber voller Höhepunkte zum Merchandise-Stand entlassen, wo man Boysetsfire-Shirts für angenehme 15 Franken bekommen konnte. "Ein wahres Schnäppchen", meint da nicht nur der Merchandiser, denn daneben hängen Franz Ferdinand und Massive Attack, alle dreimal so teuer.
Fans und solchen, die vom mittäglichen Auftritt am Sonntag begeistert waren, sei gesagt, dass die fleissigen Jungs von Boysetsfire bereits im Herbst wieder auf Schweizer Bühnen stehen werden. Also immer schön Tourdaten checken!
