30. OpenAir St. Gallen
Die Geschichte beginnt im Morast...
Von Trix Müller / Foto: eFoto
Die schwarz-weissen Plakate mit dem grossen, stilisierten Baum waren das Markenzeichen. Freunde aus Bern und Basel waren genauso begeistert wie wir von unserem eigenen OpenAir. Vor dreissig Jahren waren wir noch in der Stifti oder knapp ausgelernt, heute haben wir den Zenit im Berufsleben überschritten und die eigenen Kinder sind bereits fllügge – und selbst wieder treue OpenAir-Anhänger: Die Zeit steht nicht still und der eine oder andere der 2048 Besucher des ersten St. Galler (Abtwiler) OpenAirs kann auf einen ähnlichen Lebenslauf zurückblicken.Wir haben uns in dieser langen Zeit alle verändert. So auch unser Festival. Was jedoch Freddy Gagi Geiger 1977 ins Leben rief, hat heute noch Bestand. Doch die Geschichte beginnt im Morast. Das damals zweitägige Happening mit Musik war idyllisch auf einer Wiese am Waldrand gelegen. Wegen starker Regenfälle drohte die Bühne aber im Schlamm zu versinken, das erste Festival musste am Sonntag abgebrochen werden. Aber bereits zwei Jahre später fanden sich zum dritten OpenAir doppelt so viele Leute in Abtwil ein. Welch ein Erfolg!
Das Zusammenleben, das Diskutieren, das gemeinsame Gefühl der Freiheit in der Natur und das Ausbrechen aus dem Alltag für zwei, drei Tage standen im Vordergrund, dazu natürlich Musik, die gefiel. Woodstock-Feeling... Das OpenAir St. Gallen hat sich in den letzten Jahren als eines der grossen Schweizer OpenAirs behauptet. Dabei ist das reine Woodstock-Feeling immer mehr einem knallharten Business mit einem Millionen-Budget gewichen. Markt- und Verpflegungsstände drängten sich ins Bild. Mit DJs in Partyzelten und chilligen Lounges konnten die Veranstalter auch Nicht-OpenAir-Gänger gewinnen. So trafen in jüngster Zeit gestandene Festivalfans in hohen Schuhen und abgewetzten Jeans des Öfteren auf Boys mit frisch geglätteten Hosen und weissen Turnschuhen und Girls mit gestylten Minijupes und High Heels.
Was blieb, ist die einmalige Lage und die einzigartige Atmosphäre. 1981 zügelte das OpenAir auf Stadtgebiet, 14 000 Besucher waren begeistert! Das Gelände in der Flussschlaufe der Sitter, unterhalb der Stadt, ist genial gelegen. Während dreier Tage erstreckt sich vor der Hauptbühne der grösste Festival-Zeltplatz Europas! Jedes Fleckchen Wiese ist im Sittertobel von einem bunten Tuch bedeckt, sei es auf der Ebene oder an den steilen Hängen. Das Bedürfnis nach Freiheit und dem ungezwungenen Zusammensein ist seit dreissig Jahren ungebrochen.
Seit Anfang an war das Wetter – und vor allem der Schlamm – am St. Galler OpenAir, neben der Musik, immer ein Hauptthema. Bereits bei der ersten Ausgabe versanken Publikum und Bühne im Dreck. Unterdessen sind die Bühnen grösser und standfester geworden, und mit ihnen auch die Zuschauer. Die OpenAir-Schlammschlachten und -Rutschpartien sind mittlerweile legendär und fester Bestandteil eines jeden Festivals im Sittertobel. Sollte der Regen für einmal ausbleiben, werden die Schlammorgien von vielen treuen Anhängern schmerzlich vermisst.
Für die 30. Jubiläumsausgabe wünschen wir uns demnach wieder eine gehörige Portion Schlamm, danach puren Sonnenschein, feucht-fröhliche Partys und friedliche Leute, gute Musik und zusammen mit 30 000 Menschen im Sittertobel wieder die drei schönsten Tage im Jahr zu erleben.
