Tomte
Wenn der Beat losgeht...
Von Florian Weiss / Foto: Stefan Schälle
Seit den Anfangstagen Ende 2002 verfolge ich nun schon die Geschichte des Hamburger Erfolglabels Grand Hotel van Cleef mit Kettcar, Tomte, Olli Schulz und anderen. Mein Hauptaugenmerk lag dabei sicherlich immer bei Kettcar, mit denen mich eine sehr emotionale Geschichte verbindet. Mit der letzten Veröffentlichung von Tomte – "Buchstaben über der Stadt", 2006 – hat sich das ein bisschen relativiert. Auf der Platte hat es so wunderschöne Sachen drauf, dass ich mich erstmals auch genötigt sah, eine Tomte-Platte anzuschaffen und wer weiss, vielleicht kommen später noch die Alten dazu.Mit "Was den Himmel erhellt" eröffnet die Band um den charismatischen Frontmann Thees Uhlmann ihr Set. Der Song, der die titelgebende Zeile für das letzte Album lieferte, zeigt gleich zu Beginn, warum es nicht einfach ist Tomte zuzuhören. Bei deutschen Texten will man in der Regel auch etwas verstehen, und so hört man Thees zu, was er auf der Bühne in sein Mikrofon singt, nur kommt man damit nicht weiter. Ich entschuldige mich schon mal für den Vergleich, aber das hat was von Tocotronic. Auch der gute Dirk von Lowtzow schreibt gerne sehr metaphorische Texte. Was jetzt nicht als Wertung verstanden werden sollte. In einem Interview offenbarte Thees mir mal, dass er seine Texte nicht gerne erkläre. Da würde was verloren gehen und so soll sich jeder selber seine Gedanken machen zu den Zeilen, die von der wunderschönen Musik der Band getragen werden.
Bei "Norden der Welt" wird erstmals mitgeklatscht, und der nächste Song "Schreit den Namen meiner Mutter" ist anscheinend bekannter. Dort wird sogar bei der Ansage gejubelt. Thees ist ein bisschen enttäuscht, dass bei Tomte wieder nur "zwei Typen mit nacktem Oberkörper, die vermutlich zusammen acht Promille haben, den schiefen Turm von Pisa bilden“. Reden kann er. Einen Spruch hat er immer parat, und wer sich mal bei der deutschen Musikpresse umschaut, findet alle paar Meter eine Kolumne, ein Review oder einen Konzertbericht mit seinem Namen drunter.
Der grösste Teil der Songs stammt aus dem neuen Album. Ist ja auch klar, da sie das im Moment am Anpreisen sind. Von Wasser und Brot allein lebt es sich bekanntlich nicht so toll. Mir soll es recht sein. Bis auf einige Stücke der alten Platten, kenne ich vor allem die neueren Sachen und kann bei einigen Liedern sogar meine Textsicherheit ausspielen. Besonders ihr "Song für Verliebte" lässt mich innerlich jubeln. "New York" steigert sich auf Platte etwa zweieinhalb Minuten lang zu einem grandiosen Finish mit den schönsten deutschen Textzeilen, die ich kenne:
"ein Kuss auf die Stirn / und danke für die Stunden / man fühlt sich als habe man die Liebe erfunden / ich will dich treffen wo es am schönsten war / ich will dich treffen in zehntausend Jahren".
Ich hörte die neue CD zum ersten Mal, und genau diesen Song liess ich einen vollen Abend in Dauerrotation laufen. Wahrscheinlich zeigen sich an jener Stelle bereits Abnutzungserscheinungen.
Und schon haben wir den grössten Teil des Sets hinter uns. Manchmal gibt es Konzerte, bei denen man mal auf die Uhr schaut, obwohl sie vielleicht gar nicht langweilig sind, aber man will wissen, wie lange es noch dauert. Nicht bei Tomte an diesem Samstag in der prallen Sonne. Ich könnte hier noch eine Weile stehen und den stellenweise verträumten Texten zuhören und mir meinen eigenen Reim darauf machen. Schliessen will ich an dieser Stelle mit einer weiteren Textzeile. Diesmal aus dem Song "Wilhelm, das war nichts", welcher der einzige Song vom 2000er Album "Eine sonnige Nacht" bleiben wird:
"Ich erinnere mich an Konzerte / die schon lange zu Ende sind [...] Halt mich fest, während ich versuche / mich unkenntlich und unsterblich zu lieben / Eine Liebe zur Musik, eine Liebe zu den Tönen ..."
