Xavier Rudd
Welch ein OpenAir-Auftakt!
Von Trix Müller / Foto: Stefan Schälle
Freitag, am späteren Nachmittag. Die Zelte sind aufgestellt, der erste Durst gelöscht. Auf der neu gestalteten Sternenbühne steht die Premiere an. Bereits von weitem sichtbar ist das darüber gespannte "Zirkuszelt", welches nicht weniger als 4500 Besuchern einen Schattenplatz spendet. Und solch kühlere Fleckchen sind begehrt an diesem heissen Eröffnungstag des St. Galler OpenAirs.Erwartet wird Xavier Rudd, das Ein-Mann-Orchester aus Down Under. Und wer sich noch an letztes Jahr erinnern mag, als der Australier John Butler gleichen Orts das Publikum in masslose Verzückung versetzte, ist umso gespannter auf den Auftritt des, wie es heisst, emotionsgeladenen Multiinstrumentalisten. Die Stimmung im gut gefüllten Zelt ist bereits bei der Ansage auf einem ersten Siedepunkt und schwappt beim Anblick des australischen Sunnyboys völlig über. Seine ersten Töne aus dem Didgeridoo werden frenetisch bejubelt, jeder Instrumentenwechsel, jede Rhythmusänderung wird vom Publikum mit klatschendem Beifall quittiert.
Um ihn herum türmen sich jede Menge Musikgerätschaften, von Gitarren und Banjos über Didgeridoo und Perkussionsinstrumente bis hin zur Mundharmonika. Was der Australier aus diesem Sammelsurium zaubert, ist schlicht genial: ein einzigartiges Klangerlebnis, welches Gefühle und Energie vereint zu verströmen vermag und welches sich über das Publikum mit einer ansteckenden Fröhlichkeit und einer Ausgelassenheit ausbreitet, wie es zu einer Festivalatmosphäre nicht besser passen könnte. Welch ein OpenAir-Auftakt!
Sein Sound erinnert phasenweise an Paul Simon und Neil Young, stellenweise gar an John Butler, seine Songtexte thematisieren das Schicksal der australischen Ureinwohner sowie Fragen der Spiritualität und der Umwelt. Die Zuhörer sind von seinen musikalischen Qualitäten genauso entzückt wie von seiner Ausstrahlung und der Art, wie er sie fesseln kann. In seinem braungebrannten Gesicht sitzt ein spitzbübisches Lächeln und seine Augen strahlen. Xavier Rudd ist sichtlich berührt von der überschwänglichen Begeisterung und dem anhaltenden Jubel für seine Darbietungen.
Nach einer Stunde ist die Fangemeinde kaum mehr zu bremsen. Xavier verabschiedet sich herzlich – vorerst. Eine Ola-Welle nach der anderen wird gestartet, es wird geklatscht und gerufen: Die Zuschauer sind vom Xavier Rudd-Fieber erfasst… Was niemand zu wagen hofft, denn der Zeitplan lässt solche Ausnahmen kaum zu: Der Australier erscheint für einen letzten, von ihm in seiner ureigensten Art zelebrierten Bob Marley-Song. "No Woman No Cry" lässt alle mitsingen – und dahin schmelzen.
Down Under begeisterte ein weiteres Mal im Sittertobel und zieht anscheinend die St. Galler magisch an... Und Xavier Rudd wird mit diesem grossartigen Konzert, mit seiner erfrischenden Musik und seiner sympathischen Art bestimmt in die Festivalgeschichte eingehen!
